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12.10.2009
Rheinfelden: Ärger um Lautsprecher auf dem Minarett
Die einen sehen ihr Vertrauen missbraucht, die anderen
glauben, nichts Verbotenes getan zu haben: Vor etwa drei Wochen
hat die türkische-muslimische Gemeinde Rheinfelden auf dem
Minarett der Alperenler-Moschee drei Lautsprecher für den
Gebetsruf installiert.

Nicht genehmigt und offenbar zu laut: Die Lautsprecher am Minarett
der Rheinfelder Moschee | Foto: Arne Bensiek Dabei hatte sich
die Gemeinde einst verpflichtet, darauf zu verzichten, als sie
im Februar 2002 von der Stadt Rheinfelden die Genehmigung für
den Bau des Minaretts bekam.
"Ich fühle mich veräppelt", sagt Baubürgermeister
Rolf Karrer. Er habe damals den Vertrag zwischen der Gemeinde
und der Stadt unterschrieben. In der hitzigen Auseinandersetzung
um den Minarettbau hatte sich Karrer für den Wunsch der Muslime
eingesetzt.
Nicht ohne Probleme: "Ich hatte damals viel Ärger mit
Bürgern, die gegen das Minarett waren", sagt Karrer.
Dass die türkisch-islamische Gemeinde nun gegen die Absprache
Lautsprecher installiert habe, hält der Bürgermeister
für einen Vertrauensbruch. "Vielleicht geht es dem Vorstand
darum, Grenzen auszutesten", vermutet Karrer. Die Stadt werde
das aber nicht mit sich machen lassen. Die Verantwortlichen würden
sich nun beraten und eine Stellungnahme von der Gemeinde einfordern.
NUR EIN PROVISORIUM
Bedri Karakilinc, einer der Vorsitzenden türkisch-islamischen
Gemeinde, zeigt sich keiner Schuld bewusst. Mit der Genehmigung
für das Minarett sei damals lediglich eine bestimmte Dezibelzahl
als maximale Lautstärke vereinbart worden. Lautsprecher seien
laut Karakilinc nicht verboten worden. Die jetzige Anlage mit
den drei 30-Watt-Lautsprechern sei im vereinbarten Rahmen und
indes nur ein Provisorium, dem das Wetter zu sehr zusetze. Ein
professioneller Elektriker solle die Anlage demnächst noch
einmal gegen eine andere austauschen.
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Obwohl die Lautsprecher bereits an mehren Freitagen – dem
wichtigsten Wochentag der Muslime – im Einsatz waren, hatte
sich bisher niemand an zu viel Lautstärke gestört. Bis
zum vergangenen Freitag. Ein Rheinfelder Bürger hörte
die Stimme des zum Gebet rufenden Muezzins bis in den gegenüberliegenden
Getränkehandel der Firma Gottstein, bei geschlossener Tür.
Daraufhin wendete er sich mit einem Schreiben an Oberbürgermeister
Eberhard Niethammer, mit der Frage, ob es mittlerweile eine Genehmigung
für eine Lautsprecheranlage gebe.
GRENZWERT FÜR DIE LAUTSTÄRKE?
"Es gibt eine ganz klare Absprache, dass der Gebetsruf vom
Minarett nur mit der menschlichen Stimme und ohne elektrische
Verstärkung passieren darf", sagt Niethammer, der von
der Lautsprecheranlage er am Montagvormittag erfuhr. Eine Dezibelzahl
als Grenzwert für die Lautstärke sei nie vereinbart
worden, betont der OB. Das Thema sei sehr heikel, deshalb wolle
er sich erst noch genauer damit befassen, bevor er ein Urteil
fälle.
30-Watt-Lautsprecher installiert Foto: Arne Bensiek
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Werner Ross vom christlich-islamischen Verein in Rheinfelden
ist tief enttäuscht, "sprachlos und ratlos", wie
er sagt. Ross setzt sich seit Jahren als Vorsitzender des Vereins
für ein besseres Zusammenleben zwischen Muslimen und Menschen
anderer Konfession ein. Die Lautsprecheranlage werde nun leider
zwangsläufig dafür sorgen, dass sich die Menschen über
die türkisch-islamische Gemeinde entrüsten werden.
Damit wird auch eine Teil von Ross’ erfolgreicher Arbeit
zunichte gemacht. Denn die Gemeinde hatte sich bisher durch ihre
Offenheit und Freundlichkeit eine guten Ruf erarbeitet. Zuletzt
veranstalteten die Muslime am vorvergangenen Wochenende ihren
jährlichen Tag der offenen Moschee.
ALS VERTRAUENSBRUCH GEWERTET
Eine Erklärung für das Verhalten des Gemeindevorstandes
hat Ross nicht: "Ich gehe davon aus, dass die Verantwortlichen
der Gemeinde wissen, dass sie die Lautsprecher nicht installieren
dürfen." Er sei überrascht, weil die Gemeinde bisher
immer betont hatte, unter keinen Umständen provozieren zu
wollen.
Ross selbst erfuhr auch erst am Montag von der Existenz der Lautsprecher.
In der jüngsten Sitzung des christlichen-islamischen Vereins,
sei vom Vorstandsmitglied, das aus der türkisch-islamischen
Gemeinde kommt, kein Wort dazu gefallen. Nun werde er den gesamten
Vorstand informieren und sich dann mit seinen Vereinskollegen
"über den Vertrauensbruch beraten", sagt Ross.
Für ihn gibt es nur eine Lösung: Die türkisch-islamische
Gemeinde muss die Lautsprecher wieder abbauen.
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